Bruce Wayne ist der bürgerliche Name des Noir-Superhelden Batman. In den verschiedenen Batman-Narrativen ist die private Seite des »dunklen Ritters« gewöhnlich nur schemenhaft umrissen – ein wohltätiger Millionenerbe, der durch den gewaltsamen Tod seiner Eltern traumatisiert wurde. Die Künstlergruppe Frankfurter Hauptschule wird in ihrer Arbeit den Fokus auf diese private Seite legen, um so das popkulturelle Phänomen Batman neu zu interpretieren: Wayne wird bei ihnen zum leichtlebigen Playboy und Klatschspaltenliebling, der sich im Lichte seiner Charity-Empfänge sonnt. Sind die Kronleuchter in Wayne Mansion erloschen, liegt er betrunken und mit Tabletten vollgepumpt auf dem Boden der kleinen Küche seiner riesigen Villa, ergeht sich in Selbstverachtung und schiebt sein Elend auf die Zeugenschaft des Mordes an seinen Eltern.
Die Fledermäuse, die ihm dem Mythos nach in diesem Zusammenhang erschienen sein sollen, sind zur Besessenheit geworden. Er streift sich seine zweite Haut aus Lack und Leder über und zieht mit seinem High-End-Security-Equipment durch die verruchten Viertel von Gotham City: eine Ein-Mann-Bürgerwehr, härter als die Polizei erlaubt, Law and Order ohne Gesetz. Kleine Ganoven aus der Unterschicht geraten in sein Visier und werden Ziel seiner Lynchjustiz – Batman als perverser Feierabendspaß eines Superreichen; Gotham City, als gut ausgeleuchtete Düsternis, die die Grellheit unserer dystopisch-dekadenten Zeitstimmung sichtbar werden lässt.
